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Nachhaltiger Kleiderschrank: So geht’s!

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Nachhaltiger Kleiderschrank: So geht’s!

Modebewusstes Leben und Nachhaltigkeit – passt das überhaupt zusammen? „Auf jeden Fall!“, weiß Sustainable Stylistin Janine Dudenhöffer. Wir haben die Autorin des „Mama Styleguide“ zum Interview getroffen und mit ihr über Second-Hand-Kleidung, Tauschbörsen und den ganz bewussten Konsum geredet.

kiglu.de: Liebe Janine, das Wort „Nachhaltigkeit“ wird inflationär als Werbe-Buzzword in allen Branchen verwendet. Wann aber ist Mode WIRKLICH nachhaltig?

Janine Dudenhöffer: Puh, ja. Da sprichst du einen wichtigen Punkt an. Der Überdruss geht bei mir schon so weit, dass ich versuche, das Wort gar nicht mehr zu verwenden. Ich empfehle Mode dann, wenn Sie entweder Second Hand, geliehen oder unter ökologischen und fairen Bedingungen produziert ist. Alles andere ist Augenwischerei.

In deinem Buch „Der Mama Styleguide“ schreibst du, dass Kunstfasern zu den Materialien gehören, die du kategorisch ausschließt. Dabei sind sie so herrlich unkompliziert in der Pflege! Warum lassen sie sich deiner Meinung nach dennoch nicht mit dem Mama-Sein vereinbaren?

Für mich funktionieren Kunstfasern aus folgenden Gründen nicht:

  • Synthetics können fast keine Feuchtigkeit aufnehmen. Ergo schwitzen wir schnell darin. Bei hormonell bedingten Hitzewallungen oder dem täglichen Auf und Ab mit den Minis dann eben noch mehr.
  • Die Fasern werden aus Erdöl hergestellt und mit chemischen Farben eingefärbt. Sie verbrauchen und belasten unsere Ressourcen.
  • Hinzu kommt: Kunstfasern geben beim Waschen Mikroplastikpartikel ins Abwasser ab, die sich in der Umwelt anreichern. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts ergab: Allein die Plastikmenge aus den Waschmaschinen in Privathaushalten bemaßen die Forscher dabei mit 66 Gramm pro Kopf pro Jahr. Das entspricht etwa der Menge von 13 Kreditkarten im Jahr, die jeder Deutsche jährlich aus seiner Kleidung ins Abwasser spült.

 

Gerade Kinder brauchen ständig neue Klamotten, weil sie wieder aus einer Größe herausgewachsen sind. Welche Tipps hast du für Eltern, die den Konsum von Kinderkleidung nachhaltig gestalten möchten?

Ich habe super Erfahrungen damit gemacht, in Kita und Schule nach Eltern mit älteren Kindern Ausschau zu halten, deren Geschmack man teilt – und denen man dann dauerhaft die zu klein gewordenen Sachen abnehmen kann.

Ansonsten kann ich den Preloved Kidswear Onlineshop von bubblemomsociety ans Herz legen. Und catchupkidswear. Das ist geniale Kindermode aus Second Hand Teilen oder Stoffresten – made in Leipzig. Ein Teil der Einnahmen jeder Kollektion gehen an Projekte für Kinder.

In Hamburg werden dieser Tage die Altkleider-Container abgebaut, da die Masse an aussortierten Textilien nicht mehr weiterverarbeitet werden kann: Während der Corona-Zeit haben einfach zu viele Menschen ihre Kleiderschränke ausgemistet. Überrascht dich das? Oder hast du mit so vielen „Textil-Leichen“ gerechnet?

Ehrlich gesagt hat mich das nicht überrascht. Da wir nicht zu unseren Kund*innen konnten, haben meine ehemalige Kollegin und ich zu Ostern Kleiderschrank-Orga-Sessions online angeboten, die waren stark nachgefragt. Gefühlt wollten sich alle von Altlasten befreien. Falls das auch langfristig in Herz und Blut übergeht, ist das eine super positive Entwicklung. Wenn es nach mir geht, sollten die Fotos von den überlaufenen Containern und voll behangenen Spendenzäunen ausgedruckt und direkt am Eingang der Fast Fashion Ketten plakatiert werden!

Wir müssen dahinkommen, dass die allermeisten der aussortierten Kleidungsstücke weiterverarbeitet werden können – ob als Second Hand oder als recycelte Fasern. Sprich, wir brauchen mehr innovative Lösungen, wohin die Menschen guten Gewissens ihre aussortierten Sachen geben können, um sie in neue Kreisläufe zu geben.

Wie sieht ein nachhaltiger Kleiderschrank eigentlich aus? Und mit welchem ersten Schritt sollte ich beginnen, wenn ich meinen eigenen Kleiderschrank step-by-step nachhaltig gestalten möchte?

Verschaffe dir erstmal einen Überblick, was alles bereits vorhanden ist. Plane dir Zeit ein und nimm Kategorie für Kategorie alles heraus. Magst du es noch? Trägst du es noch? Dann darf es wieder hinein. Ich helfe dir gerne dabei, Kombinationen zu finden, die du für dich noch nicht entdeckt hast. Alles andere lassen wir gehen.

Online-Shopping, Billigware, Wegwerfen und Neukaufen statt Reparieren: Welches typische Kaufverhalten unserer Generation bereitet dir am meisten Bauchweh?

Es ist eine Mischung aus alledem: Zu viele neue Produkte, zu billig und vor allem unfair produziert, zu viele Retouren, Restposten, Nicht-Verkaufte Waren, die dann wiederum verbrannt werden. Viel zu viel an allen Ecken und Enden. Wenn uns die Lockdowns der Pandemie etwas Positives gezeigt haben, dann doch wie viel wir haben und wie wenig wir eigentlich brauchen, oder?

Wo und wie beziehst du deine eigene Mode?

Nachdem ich meinen eigenen Schrank umgekrempelt hatte, war mir ein ganzes Jahr lang nicht nach Shoppen. Dann habe ich angefangen zu swappen, also zu tauschen, zum Beispiel mit Freundinnen, und gemerkt, dass ich einige der weggegebenen Teile gar nicht vermisse, dafür andere tolle Teile ihren Weg zu mir gefunden haben. Wäsche und Bademode beziehe ich von Erlich Textil, Lovjoi Intimates und Mymarini, mittlerweile sind noch Accessoires von Whitelabelproject bei mir eingezogen.

Vielen Dank für das Interview!

 

Unsere Expertin:

Janine Dudenhöffer ist mit Mode aufgewachsen. Sie hat Textilmanagement studiert und jahrelang als Moderedakteurin gearbeitet. Ihr Herz schlägt schneller, wenn sie gut gekleidete Menschen sieht. Gut gekleidet bedeutet für Janine: zur jeweiligen Person passend. ​Es gab eine Zeit in Janines Leben, da musste Mode hintenanstehen: die Geburt ihrer Söhne. Aber das war – wie so vieles im Leben mit Kindern – nur eine Phase. Die Lust am eigenen Stil kam und kommt wieder, auch wenn die Anforderungen an Kleidung mit Kindern andere sind. Weil das Fertigen neuer Mode so viele Ressourcen verbraucht, ist die Stylistin überzeugt, dass nur wohl bedachter und hinterfragter Konsum wirklich nachhaltig ist. Und dass es manchmal sogar noch nicht einmal diesen braucht! Janine steht euch auf dem Weg zu einer nachhaltigen Garderobe liebend gerne zur Seite: instagram.com/janinedudenhoeffer